Das war’s dann wohl…
Nach der neuerlichen 1:2 (1:1)-Niederlage beim Absteiger TSG Sprockhövel, auf die ich gar nicht weiter eingehen will – damit meine ich jetzt den Spielverlauf – steht der Abstieg der SG Wattenscheid 09 in die Sechstklassigkeit wohl fest. Wirklich wundern tut es in Wattenscheid aber keinen, auch für mich war die Sache nach dem 1. Spieltag und dem 1:4 gegen SW Essen schon gegessen. Ewig weit her scheint der Saisonbeginn zu sein, mir kommt es vor wie zwei Jahre. Dass noch ein gewisser Benjamin Lowens im Tor der 09er stand, und mit seinen Patzern in bester Lehmann-Manier die ersten, vielleicht schon entscheidenden Niederlagen einleitete.
Rückblickend war dies die erfolgloseste und mieseste Saison, seit ich mich erinnern kann. 23 Gegentore hatte man erreicht nach sieben (!) Spieltagen. 23 Gegentore, das ist ein Drittel von dem, was man in der Ganzen Saison kassiert hat. Es muss ja also etwas besser geworden sein. Klar, das Team hat sich im Laufe der Saison entwickelt. Von ganz und gar nicht oberliga- bzw. verbandsligatauglich auf nicht oberligatauglich. Das vielleicht schönste Erlebnis der Saison war der 2:0-Sieg bei RW Essen II, bei dem wieder Hoffnung aufkeimte. Den Abstand auf die Nicht-Abstiegsplätze stark verringert, eine Mannschaft, die in der Abwehr sicher steht und sich im Sturm durchsetzen kann. In den letzten Wochen war von alledem nichts mehr zu sehen. Nach dem Aufwärtstrend und der Euphorie durch Marek Lesniak folgten Niederlage auf Niederlage: 0:2 gegen Windeck, 2:3 in Herne, 0:2 gegen Verlbert, 1:4 in Kleve, heute das 1:2 in Sprockhövel. Der 2:1-Sieg gegen den SV Schermbeck vor zwei Wochen schien nur ein Ausrutscher zu sein.
Nun geht es ab in die Verbandsliga, wieder einmal. Aber dass man mit Hurra-Fußball wie vor zwei Jahren durch die Liga rauscht, darf nicht erwartet werden. Auch, wenn damals die finanzielle Situation schon “unter aller Sau” war, sieht es jetzt noch schlechter aus. Zwar sieht es bei den Finanzen wieder etwas besser aus, aber an der Spitze des Vereins steht ein Mann, der alle menschlichen Tugenden vergisst, auf sich fixiert ist und den Verein komplett in die Bedeutungslosigkeit führt. Bald schon, sehr bald, wird die SG Wattenscheid 09 ein Verein sein, den niemand mehr kennt. Und das, obwohl noch in der Oberliga vor drei Jahren bei “großen” Vereinen wie dem SV Lippstadt 08 die Spiele um wenige Minuten verschoben wurden, weil der Zuschauerandrang so hoch war! Jeder wollte dabei sein, wenn die große SG Wattenscheid 09 vorbeischaut.
Völlig zurecht heiß es, der Fisch stinkt zuerst am Kopf. Christoph Jacob hat einen Scherbenhaufen fabriziert, wie man ihn sich kaum vorstellen kann. Der Imageschaden ist riesig. Nicht nur, dass die “lästigen” Frauen ausgegliedert wurden. Jacob hat es geschafft, gleich drei Mannschaften der 09er sich absteigen zu lassen, zwei befinden sich noch in der Schwebe. Die Herrenmannschaft ist aus der Oberliga abgestiegen. Dabei müsste sie langfristig in der 3. Liga spielen, wie Jacob sagte. Die “geile Truppe” sollte der Grundstein sein. Gegner wären da Dynamo Dresden, die zweite Mannschaft von Bayern München (!), Braunschweig, Jena, Unterhaching, Burghausen… Nicht etwa wie in der Verbandsliga Recklinghausen, Ennepetal, Olpe, Dortmund-Aplerbeck, Dortmund-Hombruch, Lünen-Brambauer, Gelsenkirchen-Hassel oder Langscheid/Enkhausen.
Auch die 2. Mannschaft steigt ab. Das dritte mal in Folge. In die Kreisliga A. Waren eben genannte Mannschaften früher (= vor 5 Jahren) noch Gegner der 2. Mannschaft, so tragen die Gegner in der kommenden Saison folgende Namen: FSV Sevinghausen, Rasensport Weitmar, SC Weitmar 45 II, SV Höntrop II, VfB Günnigfeld II…
Zu guter Letzt sind die Frauen sicher abgestiegen. Nach der Bundesliga vor drei Jahren geht es nun in die Regionalliga. Aber nicht mehr als “SG Wattenscheid 09″, sondern neu eingegliedert beim VfL Bochum.
Es hat alles nichts genutzt, Rettungsaktion über Rettungsaktion war vergebens. Die SG Wattenscheid 09 ist vielleicht noch in die Kategorie abgestürtzer Traditionsclubs einzuordnen, aber mehr auch nicht. Die 100 Zuschauer, die sich noch zu den Spielen verirren werden in der nächsten Saison, werden von jedem Kreisliga-Verein locker übertroffen. Vorbei ist schon lange die Zeit, dass sich 30.000 Zuschauer die Spiele gegen Bayern München nicht entgehen ließen. Vorbei ist die Zeit, dass 10.000 Zuschauer zum Derby gegen Rot-Weiß Essen kamen, vorbei ist die Zeit, dass Wattenscheid 1.000 Zuschauer in die Lohrheide lockte zum ersten Saisonspiel gegen Schwarz-Weiß Essen, und vorbei ist auch die Zeit, dass trotz kaum vorhandener Hoffnung 200 Fans mit nach Sprockhövel kommen. Gekommen ist die Zeit, dass 80 Leute deprimiert die Niederlagen einer billigen Notelf gegen den SV Sonsbeck verfolgen. Am Kunstrasenplatz an der Berliner Straße. Ohne Stadionsprecher. Ohne Spieler, die man kennt. Ohne Stimmung. Ohne Geld. Ohne Hoffnung. Und ohne Zuversicht.
Christoph Jacob, drei Fragen: Wo ist die gute alte Zeit? Wo ist Sonsbeck? Und was hast du gemacht?